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Bildillustration

50 Jahre Rotary Düren
Gedanken zum rotarischen Wirken in dieser Zeit

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Nachrichtenbild Heinz Seeger

Vorbemerkung

Wir feiern Geburtstag, 50 Jahre. Da soll es heiter zugehen. Dafür gibt es fürwahr gute Gründe. Das Programm zeigt, was uns an Fröhlichkeit erwartet. Vorher aber sollen noch ein paar Gedanken geäußert werden. Ich hätte sie gern heiter gehalten. Nun werden sie aber doch eher nachdenklich sein. Ich gliedere sie in zwei Teile. Im ersten möchte ich mich in groben Zügen mit der Zeit befassen, in die unser Jubiläum fällt. Im zweiten mit den Folgen, die sich aus ihr für verantwortliches Handeln ergeben.

1. Zeit des Umbruchs

50 Jahre Rotary Club Düren. Das fällt in eine Zeit, in der sich die öffentliche Diskussion zunehmend mit der Wiederentdeckung von Werten beschäftigt, die man längst für erledigt hielt, entsorgt in den Rumpelkammern des Fortschritts. Zu diesen Werten und ihren Trägern gehören neben anderen Bürgersinn und Bürgergesellschaft, Individuum, Ehe und Familie, Gemeinschaftssinn, Gerechtigkeit, Führungund Leistung, Unterscheidung, Gleichheit und Elite.

Wiederentdeckung, das heißt zunächst einmal Rückgriff. Und tatsächlich gibt es den in zunehmendem Maße. Wie sich die selbsternannte Turnschuhelite von einst in bürgerlichen Nadelstreifen wandet, so lassen die medialen Meinungsmacher nun auch wieder Themen zu, denen sie bislang nichts als die Modrigkeit des ewig Gestrigen zuzuschreiben bereit waren.

Deren erstes heisst: Bürgergesellschaft und Bürgersinn. Was in der Diskussion der veröffentlichten Meinung da inzwischen verlangt wird, das ist am Ende nichts anderes als ein Strukturwandel im Zusammenspiel der drei Größen von Staat, Markt und Gesellschaft. In nicht verfälschender Vereinfachung könnte man sagen, dass hinfort nicht mehr vom Staat her gedacht werden soll, sondern vom Bürger her. (Hans Maier, bei Habisch, S.122). Natürlich meint das nicht den völligen Rückzug des Staates, natürlich bleibt dessen Gewährleistungspflicht sozialer Rechte so bestehen, wie das im GG festgeschrieben ist. Und doch, „was wir brauchen“, so diese Meinung, „ist ein Funktionswechsel“ zwischen. Staat und Gesellschaft. Die Gesellschaft, so heisst die Forderung im öffentlichen Diskurs, muss wieder zum Bewusstsein ihrer selbst und ihrer Rolle kommen, und beide – Staat und Gesellschaft - „müssen begreifen, dass sie sich wechselseitig stärken können.“ (Ramge, S,156).

Die eben erst erschienene Juni - Ausgabe des „Rotary Magazins“ macht die neue Bürgerlichkeit zum Thema eines ganzen Heftes. (Rotary Magazin, Selbstbewusst bürgerlich, Juni 2006).

Die Gründung unseres Clubs fiel in die Blütezeit eines großen Aufbruchs. Dieses Jubiläum nun fällt in die Zeit, da ein großer Umbruch geleistet werden muss. Der Aufbruch wurde als Chance begriffen und mit Erfolg bewältigt Was aber mit dem Umbruch geschieht, ob man seine Notwendigkeit auch mit Blick auf eigene Betroffenheit akzeptiert, ob die Wirtschaft als entscheidende Führungsmacht sich nicht nur vom Staat befreien, sondern auch der eigenen Verantwortung beim Bau der Bürgergesellschaft stellen will, und ob die Politik den Mut zu dem nötigen Strukturwandel haben wird, das muss sich erst noch weisen.

Der Aufbruch der Nachkriegszeit wurde von einer großen Zuversicht getragen, den Umbruch jetzt belastet eine große Skepsis.

2. Wertbewusstsein, Wertwandel, Wertverfall

Warum aber auch Umbruch?

Zum einen, weil der Wohlfahrtsstaat in die Krise geraten ist und mit ihm das Heer der Nehmer, der einzelnen wie der Vereine und Verbände, und zum anderen, weil das einstmals gemeinsame Wertbewusstsein weitgehend im Entschwinden begriffen ist. Die Klage über Wertverlust und Wertverfall geht quer durch die ganze Gesellschaft.

Beklagt wird die Erosion tragender Einrichtungen, beklagt wird lange schon eine zunehmende Bevorzugung des Materiellen vor dem Ideellen, die Favorisierung von Ich – Interessen zu Lasten von Gemeinschaftspflichten, eine Weile auch jener narzistische ego-trip, der sich mit dem Wort „Selbstverwirklichung“ selbst entlarvte, eine nicht zuletzt von einem ebenso generösen wie besitzergreifenden Staat geförderte Ausbreitung einer verhängnisvollen Versorgungsmentalität, dazu noch eine allgemeine Mißachtung von Leistung, die Abwertung von Bindung, eine rasante Individualisierung, systematisch betriebene Autoritätsverluste, die Beschädigung wirtschaftlichen Ansehens durch ihre Repräsentanten selbst und die Tabuisierung eines jeden Gedankens an Unterscheidung und Elite.

Angesichts einer solchen Aufzählung von Defiziten und Ausfällen wird verständlich, warum gerade heute wieder ein Rückfall droht in das immer schon beliebte und doch so unselige Spiel vom guten Früher und dem schlechten Heute. Davor kann man nur warnen. Denn wer diesem Früher-Heute-Muster in nostalgischer Sehnsucht erliegt, der verkennt, dass Menschen sich immer relativ zu den Bedingungen ihrer eigenen Zeit verhalten und dass die Grundlegung des Heutigen immer schon in seinem Vorangegangenen gelegen hat. Was aber noch verhängnisvoller ist, wer diesem Muster erliegt, der entzieht sich leicht der Verantwortung für ein richtungswechselndes Handeln.

3. Ernüchterung

Dieses Handeln müsste sich inzwischen durch eine allgemein eingetretene Ernüchterung begünstigt sehen. Wertverschiebung und Wertverlust haben für reichlich viel Irritation gesorgt. Die, die zuletzt bei der Spaßgesellschaft angekommen waren, sieht man längst reichlich kleinlaut wieder zurückkehren vom lärmend propagierten Pfad ins geschichtslose Nirwana der Lust.

Eine allgemeine Einsicht hätte längst schon zu einer produktiven Umkehr mahnen müssen, zu einer Umkehr allerdings, die nach vorne geht.

4. Verlegenheit

Einer Stern-Umfrage vom November 2005 zur Folge sehnen sich inzwischen zwar 63% der West- und 72% der Ostdeutschen nach einer moralischen Wende (Ramge, Nach der Ego-Gesellschaft. Wer gibt gewinnt – Die neue Kultur der Großzügigkeit, 2006, S. 194). Das aber muss nicht unbedingt auch schon die Einsicht in Änderungen implizieren, mit denen Einschnitte verbunden sind, ja eine Verlagerung sich vollzieht von der Rundum-Versorgung durch den Staat ins eigene selbstverantwortliche Tun. Ob da eine bloße Veränderungssehnsucht genügt?

Diese Frage stellt sich auch deswegen, weil das diffuse Verlangen nach Erneuerung weniger aus der positiven Sicht einer neuen Lebensform kommt als vielmehr aus der negativen Erfahrung bestehender Verhältnisse.

Immerhin aber hat die verbreitete Unzufriedenheit mit dem Bestehenden zu der Frage geführt, wie die Gesellschaft denn nun aussehen soll, in der wir leben wollen und die wir für unsere Kinder und unsere Enkel bereiten helfen müssen. Noch sehen die Antworten nach Stückwerk aus. Was aber nötig ist, das ist ein Konzept für eine vernünftige Gesellschaftspolitik. Ein solches Konzept wird nicht ohne Leitbilder und nicht ohne Leitideen auskommen.

Die Diskussion der Leitkultur, die man noch in jüngerer Vergangenheit meinte als chauvinistisch denunzieren und verhindern zu müssen, sie wird sich in irgendeiner Form darin wiederfinden. Nun aber nicht mehr allein nur unter dem Aspekt der Integration von Migranten, sondern unter dem Aspekt des Verständnisses vom eigenen Ich, der eigenen Gesellschaft und des politisch geordneten Gemeinwesens in einer Welt rasanter Veränderung.

5. Individualität und Gemeinsinn

Zu den energetischen Kräften, so sagten wir, von denen Diskussion und Veränderung vorangetrieben werden sollen, gehört in erster Linie also die bürgerliche Zivilgesellschaft.

Wer aber Zivilgesellschaft sagt, der sagt heute zugleich auch Individuum. Individuum aber heisst: Selbständigkeit und Verantwortung. Die aber wollen erst in einem jeden entwickelt und gestärkt werden. „Der Individualisierungsprozess hat den einzelnen zwar einsamer und oft auch hilfloser gemacht, steht aber keineswegs im Gegensatz zu Gemeinschaftsdienst und Mitmenschlichkeit. Die Individualisierung beeinflusst den Stil von Solidaritätsakten, ehrenamtlicher Tätigkeit oder allgemeiner Sozialverantwortung, sie hebt deren Möglichkeit aber wahrhaftig nicht auf. Ganz im Gegenteil, sie gibt ihnen eine neue, eine dem aufgeklärten Denken adäquate Basis. Denn trotz der Gefahr der Überforderung durch Freiheit und Orientierung, Selbständigkeit und Sinnfindung, der der einzelne in einerfreiheitsoffenen Gesellschaft ausgesetzt ist, ist es nicht das Individuum, das der Humanisierung der Gesellschaft im Wege steht, sondern der Egoismus; der Egoismus eines allein nur mit sich selbst beschäftigten Denkens. „So viel wie möglich nehmen, so wenig wie möglich geben.“ Wo diese Maxime gilt, da sind „sämtliche Veränderungsprozesse (...) zum Scheitern verurteilt.“ (Ramge, Nach der Ego-Gesellschaft, KLappentext).

Was also gefordert ist, ist Gemeinsinn. Ein Gemeinsinn, der sich am Gemeinwohl orientiert. Nach den Erkenntnissen der Evolutionspsychologie hat nicht nur der Egoismus, sondern hat auch der Altruismus genetische Wurzeln. Das hebt natürlich den Anteil an Selbstlosigkeit nicht auf, der ihm erst seinen Glanz verleiht. Aber es stärkt die Hoffnung auf Realitätsnähe, wenn man auf ihn baut. Man braucht heute, wenn es um Solidarität und Altruismus geht, nicht unbedingt mehr nur auf religiöse oder moralische Quellen zu verweisen, man kann getrost Gebrauch machen von den Erkenntnissen der modernen Sozialpsychologie. Auch sie lässt keinen Zweifel daran, dass der Weg zum persönlichen Glück allein nur über den Umweg des Glücks des anderen führt. Weltweit unternommene Erhebungen zeigen, dass zivilgesellschaftlich engagierte Menschen greifbaren Nutzen aus ihrem freiwilligen Dienst ziehen. „Sie führen ein aktiveres Leben, sind sozial besser integriert, haben ein positiveres Bild von sich selbst und sind zufriedener, glücklicher mit ihrem Leben.“ (Ramge, S. 140). Dies alles führt dazu, dass „sie seltener schwer erkranken“, dass sie länger leben ... als diejenigen, die sich nur um sich selbst kümmern. Das gilt übrigens alles auch für das Leben in der Vernetzung großer Familien und für das Leben in einer gelingenden Ehe. Auch für sie liegen Ergebnisse der gleichen Art vor. Natürlich darf man den Satz vom greifbaren Nutzen nicht umkehren.

„Moral,“ so sagt Ernest Hemingway, „ist das, wonach man sich gut fühlt.“ (bei Ramge, S. 46).

Die Erfahrung, dass Geben glücklich macht, wird derzeit in der Bundesrepublik immerhin von mindestens 23 Mill. Menschen geteilt So viele sind es nämlich, die sich regelmäßig und mit bindenden Funktionen für andere engagieren. Das sind Zahlen, die die Annäherung an eine „Kultur der Großzügigkeit“ nicht als ganz und gar utopisch erscheinen lassen. So mehren sich denn mit gutem Grund die Stimmen derer, die Bürgersinn und Großzügigkeit der Gesellschaft der Zukunft als Leitbild vorgeben möchten.

6. Die Rolle der Familie

Die Wiege des Altruismus, so sagt die Evolutionspsychologie, ist die Familie. Sie stellt die Urform der Gemeinschaft dar. Mit ihrer Vernetzung horizontal in der Verwandtschaft und vertikal über die Generationen hinweg bietet sie einen Schutzraum, in dem jene „moralische Ökonomie“ immer noch Gültigkeit besitzt, nach der Menschen „Dinge tun“, für die sie nicht bezahlt werden. (Schirrmacher, S.122). Die Evolutionspsychologen sind davon überzeugt, dass „in jedem Familienmitglied“ immer noch „ein Vertrauen aus Urzeiten“ lebt: „Was immer geschieht, man wird nicht zurückgelassen.“ (Schirrmacher, S 45) Während es selbst bei Freundschaften in der Regel um eine ausgeglichene Bilanz von Geben und Nehmen geht, darf es bei Verwandten zu einem Ungleichgewicht zwischen beiden kommen, und das für die Dauer eines ganzen Lebens. (Schirrmacher, S. 130).

Noch in den „fünfziger Jahren bis zu den Siebzigern herrscht,“ so Schirrmacher, „das >goldene< Zeitalter der Familie.“ (Schirrmacher, Minimum, 2006, S. 31). „Die Nachkriegszeit war dabei nicht einmal die Zeit der Familie allein, sondern die Zeit der wachsenden Familie, die Zeit der Kinder.“

Und heute? In der Literatur finden sich dazu Sätze wie die: „Von Kindern profitieren in dieser Gesellschaft materiell mehr diejenigen, die keine haben.“(Herwig Birgs, bei Schirrmacher, S. 70). Oder: „Kinderlosigkeit wirkt wie eine Methode der Gewinnmaximierung. (...) Bei potentiellen Eltern erzwingt das allein schon altruistische Verhaltensweisen.“ (Schirrmacher, S. 70).

Sie können sich denken, wie gern ich bei diesem Thema auch unter dem Aspekt ethnischer Entwicklungen in unserem Land verweilen möchte. Die Zeit aber lässt das natürlich nicht zu.

Soviel nur noch zu einer ihrer Folgen. Mit dem Schrumpfen von Familie und Verwandtschaft schrumpfen auch die Netzwerke der Hilfe. So gilt schon für die nahe Zukunft, dass der Einzelne immer seltener Hilfe erfährt, sie immer öfter aber selber leisten muss. (Schirrmacher, S. 122). Außerdem versiegt mit der schwindenden Familie zugleich auch die wichtigste Quelle des Altruismus. Auch darin ist sich die Sozialpsychologie einig. Da bedarf es einer Gesellschaftspolitik, die der Familie in allen Facetten ihrer Aufgaben und Bedürfnisse eine hohe Priorität einräumt. Und da bedarf es des Aufbaus von Netzwerken, über die eine familienähnliche Altruismuserfahrung erhofft werden kann.

7. Umbruch und Elite

Da die Zeit drängt, frage ich ganz unvermittelt, ob uns denn in dieser Phase unserer gesellschaftlichen Entwicklung Eliten helfen könnten.

Sicherlich, wenn es sie denn noch in Gestalt einer Wertelite gäbe. Nur ihr käme die Fähigkeit zu, grundlegende Orientierung zu geben und der Sinnfindung zu dienen, nur ihr ist eine wirkliche Wertrepräsentanz möglich. Wir wissen, dass diese Fähigkeit nicht von einer bestimmten institutionellen Position abhängt, sondern dass es bei ihr in erster Linie um Vorbild und Ausstrahlung geht. (Heinz Bude, Auf der Suche nach Elite. Kursbuch März 2000, Heft 139, S.9 ff).

Nicht aber eine Wertelite finden wir vor, sondern neben den Machteliten, deren wesentliches Kennzeichen die Durchsetzung ist, vor allem Funktionseliten. In ihrer weitgehenden Wertneutralität aber setzen sie eben genau das Gemeinwesen voraus, das zu fügen und zusammenzuhalten die Werteliten bemüht wären. Die Funktionseliten definieren sich in der Regel über die Zugehörigkeit zu Berufsgruppen. Sie beruhen auf Leistung und sind in ihrer Verweildauer durch den Wandel in der Gesellschaft ebenso wie durch die Konkurrenz in der Leistung begrenzt. Da gibt es keine Progression, da gibt es nur einen ständigen Kreislauf wechselnder Eliten.

Geradezu grotesk muten in diesem Zusammenhang die Ersatzeliten an. Wie man die Funktionselite besser „Experten“ nennen würde, so die Ersatzeliten besser nur Prominenz oder Medienstars. So hohl oft ihre Botschaft, so groß ist ihre Wirkung bei der Masse der Nicht-Elite, ja selbst bei Politikern, die sich nicht selten an die fremde Beliebtheit zu eigenem Nutzen anhängen wollen. (Heinz Bude, S. 12).

8. Vorbild

Aber sprechen wir von uns. Natürlich nicht im Kontext von Eliten, so sehr einzelne von uns auch den verschiedenen Funktionseliten angehören mögen. Zwar schimpft man uns mancherorts elitär. Das aber hat nichts mit Elite zu tun, Wie man ja auch noch nicht eine Autorität darstellt, nur weil man sich autoritär benimmt. Das Elitäre hat es mit eitler Einbildung zu tun, das Autoritäre mit nicht zu verdeckender Ich-Schwäche. Nein, wenn wir von uns im Zusammenhang der großen Probleme unserer Gesellschaft sprechen, dann sprechen wir von unserem Teil an Verantwortung. Einer Verantwortung, die noch über unser privates und berufliches Leben hinausgeht. Und um sie geht es.

„Dienst“ ist das Wort, das für alle Service-Clubs, also auch für die Rotarier gilt. Schlicht nur Dienst. Heute muss er –so klein er im einzelnen auch sein mag – stets auch unter dem Horizont des Umbruchs, der Emanzipation des Bürgersinns gegenüber dem Staat gesehen werden. Teilnehmen müssen wir an dem öffentlichen Diskurs über den Strukturwandel und die unverzichtbaren Werte einer freiheitsoffenen Gesellschaft, Teilhaben an der Konzeptdiskussion ebenso wie an der Diskussion von Einzelfragen, der Diskussion konkreter Probleme. Vor allem aber handeln müssen wir. Denn nur im Handeln erweist sich unsere Glaubwürdigkeit.

Wenn wir damit aber auch noch eine über das Einzelne hinaus weisende Wirkung erzeugen wollen, wenn wir mit unserem Tun auch anderen Mut machen wollen, dann dürfen wir keine Scheu davor haben, dass unser Denken und Handeln von anderen auch wahrgenommen wird. In der clubinternen Diskussion über Öffentlichkeit - ja oder nein? wird meines Erachtens gern die Rolle des Vorbilds übersehen. Wer die Liebe unter Menschen will, der muss die Liebe erfahrbar machen. Wer sozial eingestellte Kinder haben möchte, der muss ihnen täglich soziales Verhalten vorleben. Und wer von einer neuen Kultur der Großzügigkeit träumt, der muss durch das eigene Verhalten Großzügigkeit sichtbar werden lassen. Lob und Tadel; Imitation; Identifikation – sie sind wirksame Faktoren des Lernens. Am wichtigsten aber ist das Vorbild. Vorbilder überragen alles. (Ramge, S. 181).

Machen wir uns also erneut auf, im Ernst des Gedankens, in der Wirksamkeit des Handelns und in der Fröhlichkeit, die uns zum Glück auch heute abend noch erwartet. Gerade in der Fröhlichkeit wird offenbar, mit welcher Zuversicht wir uns unseren Aufgaben stellen.

Immer ist Anfang. Aber selten war er so dringend gefordert wie heute. Das gibt diesem Jubiläum seinen besonderen Rang.

Auswahl benutzter Literatur

Frank Schirrmacher, Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft. München 2006 
Udo Di Fabio, Die Kultur der Freiheit. München 2005
Thomas Ramge, Nach der Ego-Gesellschaft. Wer gibt gewinnt – Die neue Kultur der Großzügigkeit, München und Zürich 2006
Andrè Habisch, Erfolgsmodell Ehe. Die Magie des Trauscheins – und die Fakten. Eichstätt 2004
Wolfgang Reinhard, Unsere Lügengesellschaft. Hamburg 2006
Kursbuch, Die neuen Eliten. Kursbuch Heft 139, März 2000,. Berlin 2000
Gabriele Müller, Das Drama der modernen Familie. MUT Nr. 460, Dezember 2005, S. 40 - 48

Samstag, 23. September 2006/web130
Letzte Änderung: 06.07.07/AB


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